Aufgemessen, demontiert und eingelagert:
Die Rettung des Berta Rahm-Pavillons von der Saffa 1958 ist geglückt!

Dank grosszügigen Beiträgen von Stiftungen, Unternehmen, Verbänden, Vereinen, Kultur Stadt Zürich sowie zahlreichen privaten Spenderinnen und Spendern ist es gelungen, den originalen Pavillon von Berta Rahm von der Saffa 1958 zu retten. Pünktlich auf den angekündigten Abbruchtermin hin war der Kleinbau in seine Einzelteile zerlegt, verpackt und eingelagert. Nun beginnt die zweite Phase mit der Konzepterarbeitung für eine neue Nutzung und der Suche nach einem geeignetem Standort.  

Innerhalb von nur knapp zwei Monaten ist es unserem Verein gelungen, den für eine fachgerechte Demontage benötigten Betrag von CHF 80‘000.- grösstenteils einzuwerben und parallel den Rückbau zu organisieren und auszuführen. Dank der Berichterstattung in der Tages- sowie Fachpresse und der Bekanntmachung unseres Aufrufs durch den Stadtzürcher und den Schweizerischen Heimatschutz konnten wir in der kurzen Frist ein breites Publikum erreichen. Dieses setzte in dieser unsicheren Zeit ein Zeichen der Solidarität und spendete grosszügig, wofür wir sehr dankbar sind. 

Mit dem Abschluss der Spendensammlung für die Demontage des Pavillons gehen für unseren Verein drei ereignisreichen Monate zu Ende. Diese waren vor allem geprägt durch die ausserordentlichen Massnahmen des Bundesrates, die uns mehrmals zwangen, das Vorgehen kurzfristig anzupassen. Der ursprüngliche Plan, den Pavillon mit Hilfe von freiwilligen Helferinnen und Helfer zu demontieren, musste mit der sich ab März zuspitzenden Lage zugunsten einer Zusammenarbeit mit professionellen Handwerkerinnen aufgegeben werden. Eine grosse Unterstützung dabei waren die Schreinerin und die Schreiner von der Wiederverwerkle AG, Winterthur. Die auf Rückbau spezialisierte Firma brachte ihr grosses Fachwissen und ihre Zuversicht auf der Baustelle ein. Ebenso unterstützte uns die kantonale Denkmalpflege mit Ratschlägen für die fach- und denkmalgerechte Demontage des Pavillons. 

Da die originalen Baupläne von Berta Rahm verschollen sind, erwarteten uns bei jeder freigelegten Schicht Überraschungen und Entdeckungen, die auch für die kunsthistorische Aufarbeitung von Bedeutung sind. Der ursprünglich ungedämmte Sommerpavillon in Elementbauweise wurde in Gossau einer neuen Nutzung als ganzjährig nutzbare Kantine und Aufenthaltsraum zugeführt. Der Einsatz von Restholz und das Allerlei an Dämmmaterialien sind ein Hinweis darauf, dass beim Wiederaufbau in Gossau sehr aufs Budget geachtet werden musste. Die hölzerne Tragstruktur besteht immer noch aus einzelnen Wandelementen, die noch Spuren der ersten Nutzung an der Saffa 1958 aufweisen. Deren integrale Demontage hatte zur Folge, dass wir für die übergrossen Bauteile einen Spezialtransport beauftragen mussten, vermutlich ganz wie damals bei der ersten Translozierung von der Saffa-Austellung nach Gossau! 

Während der gesamten Bauarbeiten wurde der Pavillon mittels 3D-Scans Schicht für Schicht dokumentiert, auch um im Fall des Nichterreichens unseres Spendenziels einen allfälligen Wiederaufbau oder eine Rekonstruktion durchführen zu können. 

Wir freuen uns, mit der Rettung des Saffa-Pavillons  von Berta Rahm der Geschichte dieser Ausstellung ein neues Kapitel in Sachen kollaboratives Arbeiten, Improvisation und leidenschaftlichem Einsatz hinzufügen zu können. Die Saffa-Frauen dienten uns in den letzten Monaten dann auch als Vorbild: Die zweite Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit in Zürich wurde mit einem äusserst knappen Budget und sehr viel Freiwilligenarbeit im Juli 1958 pünktlich eröffnet und im September ohne Kostenüberschreitung wieder geschlossen.

Die nächsten Schritte

Dank der Finanzierung durch die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte in Winterthur werden wir in den nächsten Monaten die zweite Phase begehen können; im Austausch mit Behörden, spezialiserten Handwerker*innen und Fachexpert*innen sowie mit Unterstützung des Projektbüros Denkstatt ein Konzept für eine neue Nutzung ausarbeiten, einen Standort sichern sowie die nötigen Sanierungs- bzw. Restaurierungsarbeiten durchführen. Ziel ist es, 2021 zum 50-jährigen Jubiläum des Stimmrechts für Frauen in der Schweiz die dritte Phase – den Wiederaufbau - zusammen mit einer geeigneten Trägerschaft anzugehen.

 

Medienecho

Heimatschutz/Patrimoine 2-2020
Aufruf zur Rettung. Pavillon der Saffa 1958
(25.05.2020)

werk, bauen + wohnen
Die Zukunft des Saffa-Pavillons von Berta Rahm
(Jenny Keller, 08.05.2020)

Tagblatt
Rettung eines Saffa-Relikts
(29.04.2020)

Docomomo International
Pavillon of Berta Rahm threatened
(28.04.2020)

Tagesanzeiger
Hoffnung für das Werk einer abgewiesenen Architektin
(Ev Manz, 28.04.2020)

archithese
Blinde Flecken der Architekturgeschichte 
(Leonie Charlotte Wagner, 28.04.2020)

swiss-architects.ch
Gegen das Vergessen: Berta Rahms «Saffa»-Pavillon von 1958 retten
(Elias Baumgarten, 23.04.2020)

espazium
Ret­tet den Saf­fa1958-Pa­vil­lon! 
(Judith Solt, 16.04.2020)

Hochparterre
Saffa-Pavillon retten 
(Rahel Marti, 14.04.2020)

Bund Schweizer Architekten
Spendenaufruf: Rettet den Saffa 1958-Pavillon 
(Caspar Schärer, 14.04.2020)

Blog Archäologie und Denkmalpflege
Ein wichtiger Bauzeuge der SAFFA 1958 wird bald abgebrochen 
(Pietro Wallnöfer, 16.03.2020)

swb achtung nachkriegsmoderne
Saffa 58 Pavillon 
(Reto Gadola)

Neue Zürcher Zeitung
Die Frauen waren tüchtig, die Geometrie der Architektur stark, doch es reichte nicht (Sabine von Fischer, 08.03.2020)


Bildquellen:

Privatarchiv Patrick Romanens (Bild oben)
IAWA, Berta Rahm Architectural Collection, Ms1998-011, International Archive of Women in Architecture, Special collections, Virginia Polytechnic Institute and State University, Blacksburg, VA (historische Fotos)
KDP, Fotoarchiv kantonale Denkmalpflege Zürich, Urs Siegenthaler (aktuelle Fotos)